Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis 2012 verliehen - Jugendsenatorin Scheeres zeichnete die Preisträger aus
Drei herausragende Arbeiten wurden am 29.11.2012 in Berlin in den Kategorien „Praxis“, „Theorie und Wissenschaft“ sowie „Medien“ mit dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreis – Hermine-Albers-Preis – 2012 ausgezeichnet. Zwei weiteren Arbeiten wurde eine Anerkennung ausgesprochen. Insgesamt wurden Preisgelder in Höhe von 12.000 Euro vergeben. Übergeben wurde der Preis von der Berliner Jugendsenatorin Sandra Scheeres. Sowie der Vorsitzenden der AGJ, Prof. Dr. Karin Böllert, und der Juryvorsitzenden, Ulrike Werthmanns-Reppekus. In ihrer Festrede würdigte die Senatorin die Bedeutung des Preises und ging auf die gesellschaftliche Herausforderung von Inklusion ein. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ hatte den Praxispreis 2012 zum Thema „Gemeinsam leben und lernen – Inklusion als Perspektive in der Kinder- und Jugendhilfe" ausgeschrieben.
Praxispreis der Kinder- und Jugendhilfe 2012
In der Kategorie Praxispreis wurde die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Dresden e. V. für den „Elternratgeber – unser Baby von der Geburt bis zum 1. Geburtstag“ ausgezeichnet. Eine Anerkennung in dieser Kategorie ging an das Haus der Offenen Tür Porz e. V. für das „Konzept inklusive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen und deren Familie“.
Die Juryvorsitzende Ulrike Werthmanns-Reppekus begründete die Entscheidung zur Preisträgerschaft der Lebenshilfe Dresden wie folgt: „Die Jury zur Vergabe des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises 2012 ist einhellig zu der Auffassung gelangt, dass der Elternratgeber ‚Unser Baby von der Geburt bis zum 1. Geburtstag‘ der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Dresden der Abteilung Hilfen zur Erziehung absolut preiswürdig ist. Der Ratgeber ist innovativ und wurde konsequent unter Einbeziehung der betroffenen Eltern entwickelt. Er leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Erziehungsfähigkeit beeinträchtigter Eltern und stellt damit einen wichtigen Schritt hin zur Inklusion des Personenkreises der geistig behinderten Eltern oder chronisch psychisch kranken Eltern dar.
Erklärtes Ziel der Abteilung Hilfen zur Erziehung der Lebenshilfe Dresden e. V. ist es dabei, Jugend- und Behindertenhilfe besser zu vernetzen, um diese Hilfen Familien mit behinderten Angehörigen – gleich ob auf Kinder- oder Elternseite – besser zugänglich zu machen. Dabei stößt der Träger insbesondere an die Finanzierungsgrenzen der beiden Systeme SGB VIII und SGB XII und versucht diese konzeptionell zu überwinden.“ (Auszug aus der Laudatio vom 29.11.2012)
Anerkennung in der Kategorie Praxispreis an das Haus der Offenen Tür Porz E. V. /OT Ohmstrasse
Zum Konzept des Hauses der Offenen Tür Porz e. V./OT Ohmstraße sagte die Juryvorsitzende Ulrike Werthmanns-Reppekus: „Die Jury zur Vergabe des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises hat sich einhellig dafür ausgesprochen, dem Haus der Offenen Tür Porz e. V./OT Ohmstraße, das sich mit dem ‚Konzept inklusive Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen und deren Familie‘ beworben hat, eine Anerkennung auszusprechen. Besonders positiv aufgefallen ist, dass das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort zwischen jeder Zeile zu lesen ist. Die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, ist auffallend. Der Träger setzt das Leitziel Inklusion mit dem Motto und der Methode ‚Der Weg ist das Ziel‘ um. Es werden Angebote ins Leben gerufen und am Bedarf der Menschen weiterentwickelt. Die Arbeit lässt sich auf andere Kinder- und Jugendzentren sehr gut übertragen.“
Theorie- und Wissenschaftspreis der Kinder- und Jugendhilfe 2012
Des Weiteren erhielt Dr. Birgit Jagusch für die Dissertation „Praxen der Anerkennung. ‚Das ist unser Geschenk an die Gesellschaft'. Vereine von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zwischen Anerkennung und Exklusion“ den mit 4.000 Euro dotierten Theorie- und Wissenschaftspreis. Der Laudator Prof. Dr. Wolfgang Schröer würdigte die Dissertation als als eine der ersten empirischen Studien in der Kinder- und Jugendhilfe, die sich explizit und ausdifferenziert mit Vereinen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund befasse. Die Arbeit trage zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe bei. In seiner Laudatio hieß es weiterhin: „Insgesamt sind es vor allem drei weiterführende Positionen, die für die Kinder- und Jugendhilfe grundlegend sind. Erstens: Jugendverbände sind Räume der Anerkennung, in denen Jugendliche Selbstwert erfahren und auch Ausgrenzungserfahrungen verarbeiten können. Zweitens: Wer Jugendverbände von Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur als Migrationsjugendverbände wahrnimmt, verkennt deren Bedeutung. Es sind vielmehr und ebenso Jugendverbände, in denen Jugendliche als Jugendliche und nicht nur als Jugendliche mit Migrationshintergrund zusammenkommen. Es sind Jugendliche, die in dieser Gesellschaft ihr Recht auf Jugendlichsein leben und Gesellschaft mitgestalten wollen. Schließlich arbeitet sie drittens heraus, dass diese Jugendverbände nicht geschlossen sind. Diese Offenheit wird dann deutlich, wenn man den Selbstdefinitionen der Jugendlichen in den Jugendverbänden mehr Vertrauen entgegenbringt als den Fremdzuschreibungen.“
Anerkennung in der Kategorie Theorie- und Wissenschaftspreis an Dr. Martina Richter
Eine Anerkennung in der Kategorie Theorie- und Wissenschaftspreis wurde Dr. Martina Richter für die Dissertation „Die Sichtbarmachung des Familialen. Gesprächspraktiken in der Sozialpädagogischen Familienhilfe“ ausgesprochen. Damit sei, so Schröer, wissenschaftliches Neuland betreten worden, und in seiner Laudatio sagte er weiterhin: „Es gibt nur wenige Arbeiten, die in einem aktuellen sozialpolitischen Feld eine forscherische Zurückhaltung aushalten, wie sie es getan hat. Mit dem ethnomethodologischen Zugang hat sie dafür eine Methode gewählt, die dazu zwingt, seine Vorstellungen von Familien zurückzustellen. Diese Methode will gerade herausarbeiten, wie die Praktikerinnen und Praktiker im Alltag die alltäglichen Herausforderungen bearbeiten. Es ist eine Grundhaltung, in der davon ausgegangen wird, dass Wissenschaft die Lösungen des Alltags ernster neben muss und nur in diesen die Ansatzpunkte zu Neuem finden kann.“ Für die Fachkräfte der Sozialpädagogischen Familienhilfe, so Schröer, sollte die Arbeit Pflichtlektüre werden, für alle anderen liefere sie wichtige Reflexionsanlässe.
Medienpreis der Kinder- und Jugendhilfe 2012
Den Medienpreis 2012 erhielt der Journalist Eric Breitinger für das Buch „Vertraute Fremdheit. Adoptierte erzählen.“ Der Laudator Rolf Westermann, dapd, würdigte das Buch: „Eric Breitinger hat sein Buch klug komponiert, denn er verbindet die berührenden Lebensberichte mit fachlichen Erläuterungen, z. B. zur gesetzlichen Lage sowie zum Stand der Fachdiskussion. Er bietet Studien sowie Zahlen und Fakten an – und lässt Adoptionsfachleute und Therapeuten zu Wort kommen. Der Autor umreißt so die ganze Komplexität dessen, was es heißt, adoptiert zu sein. Manche gesellschaftlichen Entwicklungen der anonymen Elternschaft erscheinen so in neuem Licht: Leihmutterschaft, Samenspende und Babyklappe.“ Großartig sei vor allem, so Westermann, dass man das Buch ohne einschlägige Vorkenntnisse und ein Fremdwörterlexikon lesen könne. Es gebe Einblicke in eine Welt, die einem sonst verborgen bleibe.

Übergabe des Medienpreises 2012 an den Journalisten und Buchautoren Eric Breitinger, v.l.n.r.: Prof. Dr. Karin Böllert, Eric Breitinger
(Foto: Bildschön)
Aus über 180 Bewerbungen hat eine elfköpfige Jury1 die Preisträger ermittelt, die mit ihren Arbeiten die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe fördern. Sie tragen somit dazu bei, ganz im Sinne des SGB VIII positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen. Dies sagte die Vorsitzende der AGJ, Prof. Dr. Karin Böllert, die in ihrer Begrüßungsansprache der Namensgeberin des Preises, Dr. Hermine Albers, gedachte und dem Stifter des Preises, den Obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder, dankte. „Hermine Albers – die große Frau der Jugendhilfe, nach der der Deutsche Kinder- und Jugendhilfepreis benannt wurde, wäre sicherlich sehr stolz, dass auch heute noch ihr Name für Innovation und Engagement steht“, schloss die Vorsitzende der AGJ ihre Ansprache.
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1 Mitglieder der Jury 2012 unter dem Vorsitz von Ulrike Werthmanns-Reppekus (Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband NRW) waren:
Hartmut Augustin (Chefredakteur der Mitteldeutschen Zeitung in Halle), Dieter Göbel (Landschaftsverband Rheinland), Winfried Hebold-Heitz (SJD - Die Falken), Dr. Susanne Heynen (Jugendamtsleiterin der Stadt Karlsruhe), Stefanie Krüger (Bayerisches Landesjugendamt), Dr. Christian Lüders (DJI), Karla Range-Schmedes (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft Berlin), Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Universität Hildesheim), Rolf Westermann (dapd) und Prof. Dr. Holger Ziegler (Universität Bielefeld).








