Eckpunktepapier für eine abgestimmte Strategie zur Förderung der Fachkräftequalifizierung soll zum Diskurs anregen


Die Fachkräfteinitiative des Modellprojektes "Grenzüberschreitende Lernmobilität ermöglichen“ veröffentlicht ein Eckpunktepapier, in welchem die Mobilitätshindernisse für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe aufgezeigt werden und Strategien zum Abbau derselben formuliert sind.

Ziel des von der Bundesregierung initiierten Modellprojekts ist es, im Rahmen der Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik und der Umsetzung der EU-Jugendstrategie, mehr jungen Menschen grenzüberschreitendes Lernen zu ermöglichen. Im Fokus stehen die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Grund hierfür ist die Annahme, Fachkräfte könnten junge Menschen besser bei ihren Lernerfahrungen im Ausland unterstützen, wenn sie selbst auch Erfahrungen in diesem Bereich gemacht hätten. In einer Ist-Stand- und Bedarfsanalyse wurde ermittelt, welche Hindernisse für Fachkräfte hinsichtlich grenzüberschreitender Lernmobilität bestehen. Die Ergebnisse der Studie sowie Hinweise von Expertinnen und Experten aus diesem Arbeitsfeld und zusätzliche Literatur bilden die Grundlage des erarbeiteten Eckpunktepapiers.

Die Ist-Stand-Analyse und die Bedarfsanalyse verdeutlichen eine Reihe von Problemen, welche die grenzüberschreitende Mobilität von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe einschränken. Unter anderem führen fehlende finanzielle Mittel, ebenso wie mangelnde Bereitschaft zur Freistellung durch Vorgesetzte, fehlende Sprachkompetenz und strukturelle Schwierigkeiten, wie beispielsweise Probleme bei der Visavergabe oder ein hoher Verwaltungsaufwand dazu, dass Qualifizierungsangebote nicht genutzt werden. Auch sind die verfügbaren Bildungsangebote unzureichend auf die Anforderungen der Betroffenen zugeschnitten. Aus diesem Grund können insbesondere Fachkräfte aus spezifischen Arbeitsfeldern kaum von diesen profitieren. Notwendig wäre es, die institutionellen Ebenen besser zu vernetzen, um grenzüberschreitendes Lernen gezielter anbieten zu können. Die befragten Fachkräfte gaben bei der Befragung außerdem an, sie benötigten Angebote, um ihre interkulturellen Kompetenzen zu erweitern. Ebenso fordern sie einen Diskurs, der die Bedeutung der grenzüberschreitenden Mobilität für das Lernen deutlich mache.

Im dem erarbeiteten Eckpunktepapier wird deshalb gefordert, grenzüberschreitende Lernerfahrungen zur Kernaufgabe der Kinder- und Jugendhilfe zu machen. Deshalb ist es vor allem notwendig, die Strukturen auszubauen, die hierin unterstützend wirken sollen. Die Zusammenarbeit innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe soll dabei auch auf europäischer bzw. internationaler Ebene geöffnet werden, dies bezieht sich auch auf das Qualifizierungsangebot. Dem muss eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen vorangehen, die finanziellen Mittel hierfür soll die nationale und europäische Jugendpolitik zur Verfügung stellen. Aber auch national durchgeführte Angebote, die in der Muttersprache abgehalten werden, sollen mit Geldern ausgestattet werden, um niederschwellige Zugänge zu schaffen.

Es wird ein Umdenken im Umgang mit grenzüberschreitendem Lernen gefordert. Hierbei geht es vor allem um eine verbesserte Förderung, Anerkennung und Wertschätzung der grenzüberschreitenden Mobilität von Fachkräften, was beispielsweise auch die erleichterte Freistellung vom Dienst zu Weiterbildung beinhaltet.

Desweiteren soll der Zugang zu Qualifizierungsangeboten erleichtert werden, indem beispielsweise eine zentrale Datenbank geschaffen wird, auf der sich Fachkräfte über mögliche Bildungsangebote informieren können. Vor allem sollen diese besser auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Erreicht werden soll dies durch den Ausbau lokaler Programme, um den Fachkräften die Teilnahme zu erleichtern, aber auch durch die Bereitstellung von niederschwelligen Einstiegshilfen.

Um die Übersichtlichkeit von Qualifizierungsangeboten zu verbessern, sollen diese modulartig gestaltet werden. So wäre es Fachkräften möglich, Kompetenzen schrittweise aufzubauen und sich systematisch weiterzubilden. Um die Qualifikationen besser einordnen und bewerten zu können, soll die (sozial-)pädagogische Praxis allgemeine Qualitätsstandards definieren, wodurch Vergleichbarkeit hergestellt würde.

Die Umsetzung der Forderungen bzw. der Abbau der Hindernisse für die grenzüberschreitende Mobilität von Fachkräften, könne nur erreicht werden, wenn Jugend-, Bildungs- und Europapolitik sowie die (sozial-)pädagogische (Fach-)Praxis ein gemeinsames strategisches Vorgehen entwickeln. Im Eckpunktepapier wird deshalb eine Fachkonferenz der genannten Arbeitsfelder vorgeschlagen, auf der eine gemeinsame Strategie weiterzuentwickeln wäre. Die Verbesserung der Fachkräftequalifizierung könne nur durch eine Kombination von (sozial-)pädagogischer Praxis und neuen politischen Regelungen erreicht werden.

Das Eckpunktepapier können Sie unter folgendem Link einsehen.

Die Ist-Stand- und Bedarfsanalyse können Sie unter folgendem Link einsehen.

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