Die European Youth Work Agenda für qualitativ hochwertige Youth Work – in Europa und in Deutschland

Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

PDF des Positionspapiers

Der Rat der EU und der Europarat streben die Weiterentwicklung von Youth Work im Rahmen einer European Youth Work Agenda an. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ verbindet mit der European Youth Work Agenda die Zuversicht, wirksame Impulse aus der europäischen Debatte in die deutsche Kinder- und Jugendhilfe einbringen zu können. Als Forum der deutschen Kinder- und Jugendhilfe erhebt sie mit dieser Stellungnahme zudem den Anspruch, die Kompetenz der deutschen Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere der Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit, in die Ausformulierung der European Youth Work Agenda einfließen zu lassen und somit ihre Prinzipien und Qualitätsstandards auf der europäischen Ebene einzubringen. Um zum Gelingen beizutragen, setzt sich die AGJ in diesem Positionspapier mit der angekündigten European Youth Work Agenda auseinander und formuliert Forderungen an deren Ausgestaltung sowie an den europäischen und deutschen Umsetzungsprozess.

1. Die European Youth Work Agenda - Einleitung1

Von Juli bis Dezember 2020 wird die Bundesrepublik Deutschland die Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union (EU) übernehmen. Zusätzlich wird Deutschland von November 2020 bis Mai 2021 den Vorsitz im Ministerkomitee des Europarats innehaben. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat in Aussicht gestellt, dass der Themenbereich Jugend ein Schwerpunkt seiner Aktivitäten darstellen wird. Nachdem im Bereich Jugendpolitik bereits im Jahr 2018 die EU-Jugendstrategie und im Jahr 2019 die erste Jugendstrategie der Bundesregierung verabschiedet wurden, versprechen auch das zweite Halbjahr 2020 und der Beginn des Jahres 2021 spannend und ereignisreich für die europäische und deutsche Jugendpolitik zu werden. Mit dem Fokus auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene steht unter anderem das Thema Youth Work im Licht der Aufmerksamkeit. Während sowohl der Rat der EU als auch der Europarat in ihren Prioritäten die Weiterentwicklung von Youth Work benennen, ist die Diskussion in Deutschland bisher zurückhaltender. Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ sieht dem kommenden Jahr daher erwartungsvoll entgegen und verspricht sich von diesem thematischen Schwerpunkt, die europäischen Diskussionen um Youth Work in den deutschen Fachdiskurs aufzunehmen und Youth Work auch auf deutscher Ebene zu stärken.
Der Begriff „Youth Work“ entstammt Bemühungen auf der europäischen Ebene, unter Anerkennung der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der verschiedenen Organisationsformen in den Mitgliedsstaaten von EU und Europarat2, ein gemeinsames Verständnis eines Arbeitsfeldes zu entwickeln, in dem es um die Arbeit von, für und mit jungen Menschen geht. Im Kontext des deutschen Systems der Kinder- und Jugendhilfe umfasst dies weitestgehend die Arbeitsbereiche Kinder- und Jugendarbeit3 und Jugendsozialarbeit im Rahmen der §§11-13 SGB VIII.
Das BMFSFJ beabsichtigt, während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft die Entwicklung einer „European Youth Work Agenda“ voranzubringen. Ziel der Agenda soll es sein, einen strategischen Rahmen für die Weiterentwicklung und Anerkennung von Youth Work in der EU und in Kooperation mit dem Europarat auch über die EU hinaus zu entwickeln. Der Begriff European Youth Work Agenda bezieht sich im Folgenden auf das Zusammenspiel der drei Agenda-Bestandteile – die politischen Grundlagen mit den noch zu treffenden Beschlüssen auf EU-Ebene, den bereits bestehenden Beschlüssen des Europarates und einer gemeinsamen politischen Vereinbarung beider Institutionen, der inhaltlichen Vertiefung und Verankerung der Agenda in den Einrichtungen und Strukturen von Youth Work auf den verschiedenen Ebenen rund um die dritte European Youth Work Convention 2020 sowie einem sich daran anschließenden, von verschiedensten Akteuren getragenen, gemeinsamen und strukturierten Umsetzungsprozess auf europäischer Ebene und in den jeweiligen Mitgliedsstaaten. Die AGJ hat sich in der Vergangenheit aktiv in die Diskussion um Youth Work eingebracht4 und begrüßt daher das Vorhaben im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft sowie die Entwicklungen im Europarat.

1.1 Der bisherige fachliche und politische Diskurs um Youth Work

Das Vorhaben des BMFSFJ ist eingebettet in die bisherigen Entwicklungen zum Thema Youth Work auf europäischer Ebene, sowohl in der EU als auch im Europarat. In diesem Kontext sind insbesondere die zwei European Youth Work Conventions bedeutsam5, die 2010 unter belgischer EU-Ratspräsidentschaft und 2015 unter belgischem Vorsitz im Europarat stattfanden. Wurde auf der ersten Convention 2010 zunächst die Heterogenität von Youth Work auf der Ebene von Konzeptionen und Praxen in Europa betont, setzte sich die zweite Convention 2015 das Ziel, ein gemeinsames europäisches Grundverständnis von Youth Work zu entwickeln. Ein weiteres Ergebnis der zweiten Convention 2015 war die Forderung nach einer European Youth Work Agenda zur Weiterentwicklung des Konzeptes Youth Work auf europäischer Ebene sowie dessen Überführung in ein konkretes Handlungskonzept. Dieses Anliegen wurde in der EU-Jugendstrategie 2021-2027 aufgenommen und die EU-Mitgliedsstaaten sowie die EU-Kommission wurden dazu aufgefordert, „eine europäische Jugendarbeitsagenda [englisch: European Youth Work Agenda] für Qualität und Innovation in der Jugendarbeit und die Anerkennung von Jugendarbeit auszuarbeiten und umzusetzen. Um das vorhandene Potenzial voll zu nutzen, muss das Fachwissen von Jugendvertretungen, Jugendorganisationen sowie von in der Jugendarbeit und -forschung tätigen Personen herangezogen werden. Zudem sollten Synergien mit der Arbeit des Europarates in diesem Bereich gefördert werden“.6 Dem folgend ist im Arbeitsplan Jugend 2019-2021 zur EU-Jugendstrategie festgehalten, dass während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft eine European Youth Work Agenda erarbeitet wird.
Neben dem Rat der EU setzte sich auch der Europarat intensiv mit dem Thema Youth Work auseinander und verabschiedete 2017 hierzu eine umfassende Empfehlung zur Weiterentwicklung von Youth Work.7 In seiner 2020 beschlossenen „Youth Sector Strategy 2030“ formuliert der Europarat zudem die Erwartung, Youth Work zu stärken durch “recognizing and advancing youth work policies and practices by embedding youth work within youth policy frameworks, notably through the common European youth work agenda”.8

1.2 Die Bildung eines strategischen Rahmens für die Weiterentwicklung von Youth Work

Die angekündigte European Youth Work Agenda soll Synergien zwischen beiden Institutionen verstärken und gemeinsam zu einer europaweiten Weiterentwicklung von Youth Work beitragen. Die dritte European Youth Work Convention im Dezember 2020 nutzt den überschneidenden Zeitpunkt der deutschen Präsidentschaft im Rat der EU und des deutschen Vorsitzes im Ministerrat des Europarates als Auftakt des Umsetzungsprozesses einer European Youth Work Agenda.
Die European Youth Work Agenda soll Umsetzungsprozesse auf europäischer Ebene sowie Prozesse in den jeweiligen Kontexten der Mitgliedsstaaten mitdenken. Die Gestaltung der nachfolgenden Prozesse wird von zentraler Bedeutung für den Erfolg und den Einfluss der European Youth Work Agenda sein. Die angestrebte politische Rahmung und die Beschlusslagen auf europäischer Ebene, die weitere Fundierung und Entwicklung des Arbeitsfeldes auf der dritten European Youth Work Convention und die sich hoffentlich daran anschließenden Prozesse in den Mitgliedstaaten sind jugendpolitisch von herausragender Bedeutung.

2. Youth Work – ein europäisches Konzept mit Relevanz für Deutschland

Im Rahmen der europäischen Fachdebatte über Youth Work gelang es, ein gemeinsames Grundverständnis von Youth Work zu entwickeln, dass die Grundlagen und Prinzipien von Youth Work in Europa beschreibt, ohne dabei abschließende Definitionen von Youth Work zu geben.9
Der Begriff Youth Work umfasst auf europäischer Ebene eine Vielfalt von in der Regel gruppenbezogenen Aktivitäten von und für junge Menschen in der außerschulischen Bildung, in der Freizeit, im Engagement- und Freiwilligenbereich sowie Aktivitäten zur Unterstützung bei der Lebensbewältigung.10 Sowohl ehren- als auch hauptamtlich im Bereich Youth Work Tätige (Jugendarbeiter*innen, Jugendbetreuer*innen, Jugendleiter*innen, u. a.) bieten Youth Work Angebote an und führen diese durch. Gemeinsam mit Akteuren aus Fachpolitik und Wissenschaft wird das Feld kontinuierlich weiterentwickelt.
Der europäische Begriff Youth Work ist im deutschen Kontext nicht mit seiner wortwörtlichen Übersetzung Jugendarbeit, im Sinne von §11 SGB VIII, gleichzusetzen, da er sich darüber hinaus auf ein Spektrum sozialer, kultureller und bildungsbezogener oder allgemeinpäda-gogischer Aktivitäten bezieht, die von, für und mit jungen Menschen in jugendpädagogischen Settings durchgeführt werden. In der ausdifferenzierten deutschen Kinder- und Jugendhilfe-landschaft sind es offene Kinder- und Jugendarbeit, europäische und internationale Jugendarbeit, kommunale Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendbildungsarbeit sowie Jugendsozialarbeit inklusive Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe im Sinne der §§11-13 SGB VIII, die unter das Dach des Begriffs Youth Work fallen. Darüber hinaus werden in anderen Staaten zum Beispiel auch einzelne Angebote, die in Deutschland den Hilfen zur Erziehung oder der Jugendresozialisation zugerechnet werden, in den Kontext von Youth Work einbezogen.
Im Anschluss an die beiden European Youth Work Conventions sowie die bisherigen Fachdebatten auf europäischer Ebene lässt sich festhalten, dass im Fachdiskurs mittlerweile von einem gemeinsamen Grundverständnis von Youth Work gesprochen werden kann. Der Europarat stellte 2017 entsprechend fest: „Despite different traditions and definitions, there is a common understanding that the primary function of youth work is to motivate and support young people to find and pursue constructive pathways in life, thus contributing to their personal and social development and to society at large”.11
Ziel von Youth Work ist es demnach, junge Menschen zur Selbstbestimmung zu befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anzuregen und hinzuführen. Darüber hinaus wird mit Youth Work auch die Hoffnung verbunden, zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele im Sinne einer inklusiven, engagierten und toleranten Gesellschaft beizutragen. Youth Work ist ein an demokratischen und rechtebasierten Werten orientiertes Konzept, das junge Menschen auf dem Weg zu aktiven Bürger*innen unterstützt. Mit „critical youth citizenship“ liegt hierzu ein neues zusammenfassendes Konzept vor.12 Durch non-formale und informelle Bildung werden die Fähigkeit zu Selbstbestimmung, eine selbstbewusste Entwicklung und das kritische Denken junger Menschen gefördert. Zentral für die Konzeption von Youth Work ist die grundsätzliche Orientierung an den Interessen, Ideen, Erfahrungen und Bedürfnissen der jungen Menschen. Hierfür spielen Freiräume zur eigenen Gestaltung, die freie und freiwillige Zugänglichkeit von Youth Work Angeboten sowie gegenseitiger Respekt zwischen jungen Menschen und Erwachsenen eine wesentliche Rolle. Indem die Belange junger Menschen im Zentrum von Youth Work stehen, übernimmt Youth Work ebenfalls die Funktion der Vermittlung und Vertretung von Interessen junger Menschen innerhalb der Gesellschaft sowie gegenüber den Interessen der Akteure aus Wirtschaft und Politik und stärkt somit die gesellschaftliche Bedeutung der Perspektive junger Menschen. Trotz der sich verändernden gesellschaftlich relevanten Ziele von Youth Work, steht immer die persönliche Entwicklung und Befähigung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Vordergrund. Dies bedeutet, dass arbeitsmarkt- oder bildungsorientierte Ziele durchaus einen Aspekt von Youth Work abdecken können, Youth Work hiervon allerdings nicht vereinnahmt werden darf.

3. Gestaltung der European Youth Work Agenda – ein strategischer Rahmen für die Entwicklung von Youth Work

Bei der European Youth Work Agenda handelt es sich um ein Vorhaben, an das ein mehrjähriger Umsetzungsprozess auf europäischer und nationaler, regionaler und kommunaler Ebene anschließen soll und von dem erwartet wird, das Arbeitsfeld Youth Work zu prägen. Um diesem hohen Anspruch gerecht werden zu können, ist die Beteiligung aller relevanten Akteure einschließlich junger Menschen selbst bei der Entstehung und Umsetzung der Agenda unerlässlich.
Als ein relevanter Akteur der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland, möchte die AGJ zum Erfolg des Vorhabens beitragen. Im Folgenden formuliert die AGJ daher ihre Anforderungen und Erwartungen an den Entstehungsprozess der Agenda, die mit ihr verbundenen Ziele sowie an die Inhalte der European Youth Work Agenda.

3.1 Anforderungen an den Entstehungsprozess der European Youth Work Agenda

Die AGJ legt großen Wert darauf, dass die European Youth Work Agenda unter Einbezug aller relevanten Akteure aus Praxis, Politik und Forschung auf den verschiedenen Ebenen, einschließlich junger Menschen, entwickelt wird. Den in Deutschland im Dezember 2019 begonnenen Dialogprozess zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft nimmt die AGJ daher positiv zur Kenntnis und weist darauf hin, dass die Diskussionsergebnisse in einem transparenten Verfahren in den Entstehungsprozess der Agenda zu berücksichtigen sind. Vergleichbare Verfahren sind a anderen Mitgliedsstaaten wünschenswert. Darüber hinaus sind geeignete Beteiligungsverfahren für den Einbezug von jungen Menschen einzurichten.
Die European Youth Work Agenda wird gemeinsam von der EU sowie vom Europarat angestrebt. Beide Institutionen sollten sich durch möglichst starke politische Beschlusslagen zur Förderung des Arbeitsfeldes Youth Work im Rahmen einer European Youth Work Agenda bekennen und gleichermaßen deren Umsetzung in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen und mit ihren jeweiligen Mitteln forcieren. Eine gemeinsame Vereinbarung oder Absichtserklärung würde eine kooperative Herangehensweise betonen.

3.2 Ziele der European Youth Work Agenda

Nach Ansicht der AGJ soll die European Youth Work Agenda, unter Wahrung und Berücksichtigung der Vielfalt von Youth Work13, drei Hauptzielsetzungen verfolgen:

  1. Die Agenda soll eine solide Grundlage für Youth Work in Europa schaffen. Dies beinhaltet die Weiterentwicklung und Festigung des gemeinsamen Grundverständ-nisses von Youth Work in Europa. Aufbauend auf den Ergebnissen der ersten beiden European Youth Work Conventions sowie der allgemeinen Fachdebatte gilt es, gemeinsame Prinzipien für qualitativ hochwertige Youth Work zu finden und deren Implementierung zu unterstützen. Die Vielfalt von Youth Work in Europa ist hierbei ausreichend zu berücksichtigen.
  2. Mithilfe der European Youth Work Agenda soll das Arbeitsfeld Youth Work in Europa gestärkt werden. Dabei spielt die Förderung und Weiterentwicklung der drei Teilbereiche von Youth Work –  Youth Work Praxis, Youth Work Policy und Youth Work Forschung – einschließlich ihres Zusammenspiels – eine besondere Rolle.
  3. Die European Youth Work Agenda soll einen strategischen Rahmen für die Weiterentwicklung von qualitativ hochwertiger Youth Work in Europa bieten, der dazu beiträgt, Youth Work zielgerichtet und gemeinsam weiterzuentwickeln und auszubauen. Innovative Ansätze und Herangehensweisen gilt es hierbei in den Blick zu nehmen und neue Themen zu beachten.

Bei der Ausarbeitung der European Youth Work Agenda sieht die AGJ es darüber hinaus als höchste Priorität an, die Agenda in allen Belangen von der Zielgruppe, nämlich jungen Menschen, aus zu denken und deren Beteiligung am Prozess sicherzustellen.

3.3 Inhalte der European Youth Work Agenda

Im Hinblick auf die inhaltliche Ausgestaltung der European Youth Work Agenda erachtet die AGJ vor allem die folgenden Punkte als relevant:

> Strukturen und Ressourcen für Youth Work verbessern

Die European Youth Work Agenda sollte dazu beitragen, nachhaltige Strukturen von Youth Work aufzubauen, die inhaltliche und institutionelle Verankerung des Arbeitsfeldes Youth Work auf allen Ebenen zu fördern und die kommunale Infrastruktur von Youth Work auszubauen. Hierzu bedarf es der Bereitstellung von auskömmlichen und nachhaltigen Ressourcen auf allen Ebenen (finanzielle Mittel, Personal, Räume, Möglichkeitsstrukturen, etc.). Die Strukturen von Youth Work müssen dabei so ausgestaltet sein, dass das Arbeitsfeld Youth Work für seine Arbeit ausreichend Freiräume und Autonomie erhält. Finanzielle Mittel für den Bereich Youth Work sollten strukturell verankert und langfristig gesichert sein, anstatt nur als Projektfinanzierungen verausgabt zu werden. Die Vergabe von finanziellen Mitteln muss dabei unter transparenten Bedingungen erfolgen und deren Erhalt möglichst unbürokratisch funktionieren.
Es ist außerdem von zentraler Bedeutung, Youth Work nicht für andere Ziele – sei es durch Förderbedingungen oder auf anderen Wegen – zu instrumentalisieren. Obwohl Youth Work zur Bekämpfung gesellschaftlicher Herausforderungen – z. B. Jugendarbeitslosigkeit, Radikalisierung oder Förderung von psychischer Gesundheit – beitragen kann, dürfen diese oder andere Herausforderungen nicht der vorrangige Zweck von Youth Work sein. Stattdessen stehen die Befähigung, die Selbstbestimmung und die Entwicklung junger Menschen immer im Vordergrund.
Darüber hinaus ist es aus Sicht der AGJ sinnvoll, die Prinzipien von Jugendarbeit im Rahmen des deutschen Verständnisses in der European Youth Work Agenda zu berücksichtigen. Über die bereits beim Grundverständnis von Youth Work genannten Grundlagen hinaus, umfassen diese Prinzipien die Wahrung des Subsidiaritätsprinzips, die Wahrung der Wertepluralität, die Wahrung der Trägerautonomie und Trägerpluralität sowie die in Deutschland gesetzlich verankerte und unterstützte Pluralität von Jugendorganisationen.

> Sichtbarkeit und Anerkennung von Youth Work stärken

Neben strukturellen und finanziellen Ressourcen benötigt das Arbeitsfeld Youth Work in allen Mitgliedsstaaten größere Sichtbarkeit innerhalb der Kinder- und Jugendhilfelandschaft, der Forschung, Wissenschaft und Politik. Insofern ist es sinnvoll, die Instrumente in der European Youth Work Agenda zu benennen, die Sichtbarkeit auf der europäischen Ebene sowie innerhalb der einzelnen Staaten in den drei Bereichen Praxis, Forschung und Politik zu fördern und eine entsprechende Umsetzungsstrategie zu entwickeln.
Innerhalb der jeweiligen Systeme der Arbeit mit jungen Menschen in den Mitgliedsstaaten gelingt eine stärkere Sichtbarmachung von Youth Work, indem Youth Work Akteure erstens über das Arbeitsfeld Youth Work informiert werden, zweitens aktiv Öffentlichkeitsarbeit über das Arbeitsfeld Youth Work hinaus betreiben und drittens auf allen Ebenen zusammengebracht werden und Community-Building gefördert wird. Darüber hinaus gilt es, die Kompetenzen der im Bereich Youth Work Tätigen anzuerkennen, auch solche aus non-formalen und informellen Lernsettings. Um mehr Sichtbarkeit für das Arbeitsfeld Youth Work zu erreichen, ist es ebenfalls Aufgabe der Youth Work Community, das eigene Selbstverständnis als sozialpolitischer Akteur stärker wahrzunehmen und nach außen zu vertreten.
Die Forschung kann zu einer verstärkten Sichtbarkeit von Youth Work beitragen, indem sie das Arbeitsfeld und daran angrenzende Fragestellungen und Themen vermehrt in den Blick nimmt und Forschungsergebnisse publiziert.  Eine weitere Aufgabe ist das Sammeln und Zusammenführen von Forschungsergebnissen sowie die Zurverfügungstellung dieses Wissens.
Die Politik kann zu einer größeren Sichtbarkeit von Youth Work beitragen, indem sie dieses Arbeitsfeld erstens auf allen Ebenen strukturell und finanziell stärkt, zweitens Youth Work Akteuren auf allen Ebenen Möglichkeiten zur Vernetzung bietet, drittens das Arbeitsfeld politisch anerkennt und unterstützt sowie viertens Jugendbeteiligung in politischen Prozessen organisiert, wenn möglich nach dem Muster einer gemeinsam und gleichberechtigt geführten Struktur (wie z. B. dem Co-Management im Jugendsektor des Europarats).

> Praxisaustausch fördern

Um darüber hinaus das Arbeitsfeld Youth Work voranzubringen, ist ein Ausbau des Praxisaustauschs von Youth Work Akteuren auf allen Ebenen notwendig und hilfreich. Hierfür ist es erforderlich, entsprechende Strukturen für die Zusammenarbeit und Kooperation der Akteure auf allen Ebenen zu schaffen und diese zu verstetigen.
Auf der europäischen Ebene sind hierfür zum einen die European Youth Work Conventions regelmäßig fortzuführen. Zum anderen sollte die Umsetzung der European Youth Work Agenda und die Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes in Europa durch zusätzliche physische und digitale Plattformen für Youth Work Akteure unterstützt werden. Im Rahmen solcher Plattformen ist es möglich, sich u. a. über Konzepte, Strategien und gute Praxis sowie über Möglichkeiten der Qualifizierung von im Bereich Youth Work Tätigen auszutauschen und das Arbeitsfeld Youth Work auf diese Weise weiterzuentwickeln.
Es gilt außerdem, Peer Learning-Ansätze zu stärken, um den Praxisaustausch zwischen Youth Work Akteuren aus unterschiedlichen Staaten zu fördern und damit das Arbeitsfeld Youth Work weiterzuentwickeln.

> Qualifizierung von im Bereich Youth Work Tätigen stärken

Die Kompetenzentwicklung und Qualifizierung von im Bereich Youth Work Tätigen ist für die Qualität und die Anerkennung von Youth Work von zentraler Bedeutung. Das gemeinsame Grundverständnis von Youth Work verdeutlicht, dass ein hoher Anspruch an Youth Work gestellt wird. Um diesem gerecht zu werden, müssen im Bereich Youth Work Tätige, ob Haupt- oder Ehrenamtliche, über spezifische Kompetenzen verfügen. Hierfür werden Aus-, Fort- und Weiterbildungssysteme benötigt, die eine ausreichende Anzahl fachlich hochwertiger Unterstützungs- und Qualifizierungsangebote für Youth Work zur Verfügung stellen und, unter Beachtung der spezifischen Bedürfnisse und Bedingungen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten, die Möglichkeit zu einer professionellen Ausbildung für eine Tätigkeit im Feld Youth Work anbieten. Dies ist zwar in vielen, nicht aber in allen Staaten der Fall.14
Die Entwicklung von Qualifizierungssystemen und -angeboten ist zum einen über die Verbesserung der Finanzierungsstrukturen möglich, die es im Rahmen der European Youth Work Agenda aufzubauen und strukturell zu sichern gilt. Zum anderen ist die Stärkung und der Ausbau der Lehre im Rahmen formaler Bildungsabschlüsse notwendig, ebenso wie ein verlässliches Angebot von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in non-formalen und informellen Lernsettings.
Für die Entwicklung und Umsetzung einer European Youth Work Agenda sowie die Stärkung der europäischen Youth Work Community wäre es zudem hilfreich, Lehrinhalte zu Europa, europäischer und internationaler Youth Work sowie europäischer Förderprogramme in die nationalen Curricula aufzunehmen.

> Youth Work Policy als Teil der Jugendpolitik etablieren

Eine qualitativ anspruchsvolle Youth Work muss – als integraler Teil von Jugendpolitik – von wirkungsvoller Youth Work Policy flankiert werden. Wie bereits im Abschnitt Strukturen und Ressourcen beschrieben, muss das Arbeitsfeld Youth Work auch in der Jugendpolitik einen Platz bekommen und in dort bestehende Strukturen eingepasst werden. Hierbei gilt es, Youth Work als zentralen und eigenständigen Bestandteil von Jugendpolitik anzuerkennen.
Um die Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes Youth Work nachhaltig voranzutreiben und auch strukturelle Problemlagen lösen zu können, ist die Entwicklung einer expliziten Youth Work Policy im Rahmen einer zielgerichteten Jugendpolitik auf der europäischen Ebene notwendig. Dabei sollten stets alle politischen Ebenen (kommunal, regional, national, europäisch und ggf. international) berücksichtigt und zusammengedacht werden. So wäre z. B. bei der Umsetzung der EU-Jugendstrategie sowie der darin enthaltenen EU-Jugendziele eine stringente Umsetzung, die von der europäischen Ebene über die nationale Ebene bis hin zur kommunalen Ebene gedacht wird, wünschenswert. Selbiges gilt für die Umsetzung der “Youth Sector Strategy 2030” des Europarats, die analog über alle politischen Ebenen hinweg geschehen sollte.
Bei der Einführung eines gemeinsamen Politikfeldes Youth Work Policy ist darauf zu achten, dass dieses mit wirksamen gemeinsamen Entscheidungsgremien und -formaten ausgestattet ist. Der partizipative Einbezug junger Menschen sowie der weiteren relevanten Akteure entlang des gesamten politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses und bei allen Entscheidungen muss dabei sichergestellt werden.

> Youth Work Forschung und Wissenschaft im Kontext der Jugend(hilfe)forschung fördern

Auch Forschung und Wissenschaft müssen sich stärker des Feldes Youth Work annehmen. Erste Publikationen liegen bereits vor. Hierzu sollte im Rahmen der European Youth Work Agenda das Feld Youth Work in Forschung und Wissenschaft ausgebaut und gefördert werden. Forschungsgegenstand ist hierbei das Arbeitsfeld Youth Work über alle Ebenen hinweg (z. B. verschiedene Arten von Youth Work, die mit Youth Work verbundenen Werte sowie Auswirkungen und Impact von Youth Work) unter Einsatz verschiedener Methoden. Mögliche zukünftige Themen für die Forschung sind Konzepte und Praxis von Youth Work in Europa, eine vergleichende Jugendarbeitsforschung sowie eine europäische non-formale Bildungsforschung. Auch die (Weiter-)Entwicklung von Youth Work Theorie sollte von der Forschung stärker in den Blick genommen werden.
Außerdem ist es Aufgabe der Youth Work Forschung zu einer wissenschaftlichen und professionsbezogenen Reflexion über das Arbeitsfeld Youth Work und zu seiner wissenschaftsbasierten Weiterentwicklung beizutragen. So fehlt es weitgehend an Informationen und einem Überblick über die umfangreiche Praxis und die Konzepte im Arbeitsfeld Youth Work in Europa und an einem kontinuierlichen Monitoring sowie einer datenbasierten Analyse der Entwicklungen und Herausforderungen im Arbeitsfeld.

4. Europäischer Prozess – Anforderungen an eine erfolgreiche Umsetzung auf europäischer Ebene

Die große Chance der European Youth Work Agenda ist es, den Wert von Youth Work zur Befähigung von jungen Menschen stärker hervorzuheben und die Voraussetzungen für dessen Weiterentwicklung zu schaffen. Dieses Potential gilt es zu nutzen, um nachhaltige Wirkungen zu erzielen. Eine inhaltlich umfassende European Youth Work Agenda, wie sie im vorigen skizziert wurde, kann nur dann zu einer Stärkung von Youth Work beitragen, wenn sie von Umsetzungsprozessen sowohl auf europäischer Ebene als auch in den Mitgliedsstaaten flankiert wird. Der europäische Prozess bestimmt maßgeblich, wie einflussreich die Agenda sein wird. Die AGJ spricht sich daher dafür aus, die Gestaltung des Prozesses strukturiert und integrativ anzugehen und die Beteiligung von jungen Menschen, der Kinder- und Jugendhilfe, der Fachöffentlichkeit und der Wissenschaft und Forschung sicherzustellen. Es gilt, neue Strukturen aufzubauen, Bestehendes zu verstetigen und gemeinsam den Rückenwind der Agenda aktiv und konstruktiv zu nutzen.
Im Folgenden hebt die AGJ die Relevanz eines europäischen Prozesses für den Entwicklungsprozess von Youth Work in den jeweiligen Mitgliedsstaaten hervor und benennt Gelingensbedingungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung der European Youth Work Agenda zu erfüllen sind.

4.1 Relevanz des europäischen Prozesses

Im Bereich Jugend besteht die Funktion des Rates der EU - mit Ausnahme des rechtssetzenden Rahmens der EU-Förderprogramme - in Unterstützungs-, Koordinierungs- und Ergänzungsmaßnahmen, die keine bindende Wirkung auf die Mitgliedsstaaten ausüben. Die Ziele, Prinzipien und Prioritäten dieser Zusammenarbeit werden dabei vom Rat der EU jeweils für einen festen Zeitraum vereinbart und deren Einbezug in die nationalen Kontexte erfolgt auf freiwilliger Basis. Für die Europäische Kommission sind die Beschlüsse des Rates der EU handlungsleitend und deren Umsetzung wird von ihr unterstützt. Die inhaltliche Ausrichtung des EU-Jugendprogramms Erasmus+ wird dabei maßgeblich von den EU-Ratsbeschlüssen beeinflusst. Im Vergleich zur EU sind die Entscheidungsbefugnisse des Europarates deutlich eingeschränkter und bewegen sich im Jugendbereich ausschließlich auf der Ebene von Empfehlungen und Anregungen. Mit seinen Jugendzentren in Straßburg und Budapest hat er die Möglichkeit, konkrete Aktionen und Entwicklungen voranzutreiben. Mit der Zusammenarbeit in der „Partnership between the European Commission and the Council of Europe in the field of youth“ (Youth Partnership) und den daraus resultierenden Seminaren und Forschungsarbeiten zu Youth Work setzen die EU-Kommission und der Europarat deutliche Akzente im europäischen Arbeitsfeld Youth Work.
Aufbauend auf dem zuvor beschriebenen Grundverständnis von Youth Work kann über die European Youth Work Agenda ein gemeinsamer Gestaltungs- und Entwicklungsprozess auf europäischer Ebene angestoßen werden. Das europäische Arbeitsfeld Youth Work kann von einer strategischen Rahmung durch die European Youth Work Agenda profitieren, indem das Zusammenspiel von Fachdebatte, Ausstattung und Anerkennung konzeptionell gestärkt wird. Neben der weiteren Verbreitung und Etablierung des Grundverständnisses von Youth Work, können über gemeinsamen Informations- und Wissensaustausch neue Ideen und Konzepte auf die nationale, regionale und lokale Ebene transportiert werden. Dadurch kann eine auf die Bedürfnisse der jeweiligen Ebene abgestimmte Weiterentwicklung von Politik, Praxis und Forschung von Youth Work angeregt werden.
Durch eine europäische Auseinandersetzung mit Youth Work kommt dem Thema auch in den einzelnen Mitgliedsstaaten mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit zu. Hiermit verbindet die AGJ den Anspruch, dass die European Youth Work Agenda nicht nur als Diskussionsanregung verstanden wird, sondern als Handlungsaufforderung an die jeweiligen Mitgliedsstaaten. Die European Youth Work Agenda sollte als Teil der Umsetzungsprozesse der EU-Jugendstrategie begriffen und die Arbeits-, Koordinierungs- und Berichtsinstrumente der EU-Jugendstrategie – wie zum Beispiel die Future National Activity Planner (FNAP) und der EU Youth Report – für die Umsetzung der European Youth Work Agenda genutzt werden.
Die AGJ möchte diese Gelegenheit auch nutzen, das BMFSFJ, als Initiator der Entwicklung einer European Youth Work Agenda, dazu aufzufordern, über die deutsche EU-Ratspräsidentschaft und den Vorsitz im Europarat hinaus Verantwortung für den Agenda-Prozess in Europa und in Deutschland zu übernehmen und den Implikationen aus der Agenda konkrete Handlungskonzepte im Rahmen der Jugendstrategie der Bundesregierung folgen zu lassen, die zu einer Aufwertung des Arbeitsfeldes Youth Work in Deutschland und seiner Teilbereiche führen. Es gilt, die Weiterentwicklung von Youth Work zum Schwerpunkt der Umsetzung der EU-Jugendstrategie und zum aktiven Inhalt der Jugendstrategie der Bundesregierung zu machen.

4.2 Anforderungen an den europäischen Umsetzungsprozess

Der europäische Prozess zur Umsetzung der European Youth Work Agenda beginnt im Zeitkorridor der deutschen EU-Ratspräsidentschaft mit der European Youth Work Convention als Auftaktveranstaltung im Dezember 2020. Um zum Gelingen des Umsetzungsprozesses der European Youth Work Agenda beizutragen und um die European Youth Work Agenda bei der Entfaltung ihres Potenzials zu unterstützen, formuliert die AGJ im Folgenden Anforderungen an einen wirkungsvollen Umsetzungsprozess auf europäischer Ebene.
Die European Youth Work Convention, als europäische Veranstaltung in Deutschland gedacht, soll als Diskussionsforum für die weitere Ausgestaltung und Entwicklung von Youth Work in Europa genutzt werden sowie den Auftakt zur Umsetzung der Agenda darstellen. Damit dies gelingt, ist der Einbezug der wesentlichen Akteure aus Politik, Wissenschaft und Praxis notwendig, die sowohl aus dem Ressort Jugend als auch, im Sinne einer Querschnittsaufgabe, aus allen Politikfeldern kommen sollten. Mit einem dementsprechend beispielhaft gestalteten Auftakt beginnt der Umsetzungsprozess sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene.
Für einen nachhaltigen Prozess ist die Etablierung von neuen Umsetzungsstrukturen auf europäischer Ebene von zentraler Bedeutung. Zur Förderung des Austausches zwischen den verschiedenen Akteuren aus Praxis, Politik und Wissenschaft sowie von jungen Menschen werden verlässliche und kontinuierliche Strukturen benötigt. In Form von regelmäßig stattfindenden Konferenzen kann der Austausch gefördert werden, wie beispielsweise die European Academy on Youth Work, die European Youth Work Convention, den Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag oder den Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit. Zugleich bedarf es neuer Austauschformate, die auch junge Menschen stärker in den Prozess einbeziehen. Eine vierte European Youth Work Convention 2025 wäre geeignet, die bis dorthin geleistete Umsetzung der European Youth Work Agenda zu evaluieren. Im digitalen Raum sind Online-Plattformen denkbar, auf denen Akteure miteinander in Kontakt treten, Dialoge anstoßen, Praktiken sowie Wissen über Youth Work austauschen und Herausforderungen gemeinsam identifizieren können.
Zur Begleitung der jeweiligen Umsetzungsprozesse auf Ebene der Mitgliedsstaaten sind Strukturen notwendig, die begleitend, beratend und unterstützend tätig werden. Dies ist insbesondere in den Staaten relevant, in denen Youth Work erst im Entstehen ist, oder, wie in Deutschland der Fall, eine stärkere Verbindung zwischen einzelnen Arbeitsfeldern bzw. ausdifferenzierten Teilbereichen angestrebt wird.
Zu einer langfristigen und nachhaltigen Umsetzung der European Youth Work Agenda ist zudem ein kontinuierliches Monitoring und eine regelmäßige Evaluation der Ergebnisse des Umsetzungsprozesses notwendig, sowohl der europäischen als auch auf Ebene der jeweiligen Mitgliedsstaaten. An dem gemeinsamen Evaluierungsprozess sind Akteure aus Youth Work Praxis, Forschung und Politik zu beteiligen.
Teil des Umsetzungsprozesses sollte auch die Erweiterung einer gemeinsamen Wissensbasis zu Youth Work sein, als Bestandteil einer oben beschriebenen Youth Work Forschung. Hierzu zählt zum einen ein systematischer Vergleich der jeweiligen nationalen Youth Work Konzepte. Zum anderen ist der Wissensstand zu Wirkungsweisen, geeigneten Methoden und den benötigten Kompetenzen von im Bereich Youth Work Tätigen zu erhöhen, um empirisch fundierte Aussagen treffen zu können. Zudem gilt es die Entwicklungen in Politik, Praxis und Forschung zum Bereich Youth Work zu verfolgen sowie die Qualität von Youth Work wissenschaftsbasiert weiterzuentwickeln.
In dem gesamten Prozess, auf europäischer Ebene wie in den einzelnen Mitgliedsstaaten, steht der Einbezug von und die Orientierung an den Interessen und Lebenslagen von jungen Menschen an zentraler Stelle. Hierfür müssen geeignete Beteiligungsmechanismen geschaffen werden, über die junge Menschen tatsächlich Einfluss ausüben können.
Flankierend zu den zu schaffenden Umsetzungsstrukturen sollte die Youth Work Community einen arbeitsfeldübergreifenden Diskurs über den Wert und die Anerkennung von Youth Work anstoßen. Ein europäischer Diskurs zu Youth Work kann auch auf nationaler Ebene neues europäisches Gewicht in die Diskussionen einbringen. Im Rahmen einer strategischen Weiterentwicklung von Youth Work auf europäischer Ebene muss die Youth Work Community sich daher auch als Interessensvertretung hinsichtlich der Entwicklungen in den jeweiligen Staaten verstehen und aktiv den Diskurs auf allen politischen Ebenen begleiten.

4.3 Zusammenarbeit von Europarat und EU

Eines der großen Potentiale der European Youth Work Agenda ist die intensivere Zusammenarbeit der Jugendbereiche der EU und des Europarats.  Die European Youth Work Agenda sollte dazu führen, dass auf europäischer Ebene EU und Europarat auch längerfristig durch eine nachhaltige und strategisch ausgerichtete Politik in ihren jeweiligen Kompetenzbereichen sowie im Rahmen gemeinsamer Initiativen die Stärkung und Weiterentwicklung von Youth Work in Europa sicherstellen. Dazu könnte z. B. die Einrichtung eines gemeinsam getragenen European Centre for Youth Work Development als zentrale Koordinationsstelle und die Fortführung der Zusammenarbeit der Youth Partnership hilfreich sein. Auch die Übernahme des Prinzips des Co-Management-Systems, das bislang der erfolgreichen Zusammenarbeit des Jugendsektors im Europarat mit der Zivilgesellschaft zugrunde liegt, ist für die Weiterentwicklung von Youth Work im Rahmen der EU in Betracht zu ziehen.

5. Umsetzungsprozess in Deutschland – Anforderungen und Erwartungen

Die einzelnen Arbeitsfelder von Youth Work – weitestgehend Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit – können auf eine lange Tradition zurückblicken und sind im Gegensatz zu vielen Mitgliedsstaaten in Deutschland gesetzlich verankert und institutionell organisiert. Es kann daher bei der Umsetzung der European Youth Work Agenda in Deutschland nicht darum gehen, das Arbeitsfeld Youth Work neu aufzubauen oder neu zu strukturieren. Vielmehr liegt der Wert der European Youth Work Agenda für die deutsche Kinder- und Jugendhilfe darin, den Schwung der europäischen Debatte für die Stärkung und den Ausbau der vorhandenen Strukturen zu nutzen und die einzelnen Arbeitsfelder besser miteinander zu vernetzen.

5.1 Anforderungen an den Umsetzungsprozess in Deutschland

Für eine erfolgreiche Umsetzung der Agenda in Deutschland sind grundsätzlich die gleichen Anforderungen zu beachten wie für den europäischen Prozess: Gebraucht werden verbindliche Strukturen, institutionalisierte Formen des Austauschs zwischen europäischer-, Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie zwischen den relevanten Akteuren, die Förderung und Verbindung von Forschung und Wissenschaft zu Youth Work sowie deren Transfer in Praxis und Politik und die Orientierung an den Bedarfen junger Menschen.
Eine breite Beteiligung der Akteure der Kinder- und Jugendhilfe ist in allen Phasen der Agenda-Erstellung und der Umsetzung sicherzustellen, ebenso wie die konsequente Partizipation junger Menschen. Dies ist auch deswegen von Bedeutung, da die deutsche (Fach-)Öffentlichkeit vor allem über die Gestaltung des Prozesses in Deutschland den europäischen Prozess mitgestalten kann. Im Sinne einer bottom-up Logik fließt über einen offen gestalteten Prozess in Deutschland das fachliche Wissen der im Bereich Youth Work Tätigen auch in den europäischen Prozess mit ein. Gleichzeitig ist es notwendig, den Transfer der europäischen Diskussion nach Deutschland und in die deutschen Debatten und Diskurse sicherzustellen.
Wie im Vorigen dargelegt, ist eines der mit der European Youth Work Agenda verbundenen Ziele die stärkere Anerkennung von Youth Work im deutschen Kontext. Um diese Wirkung zu entfalten, muss der europäische Diskurs von Youth Work in den deutschen Diskurs eingebettet werden. So können die Synergien genutzt und ein starkes und einheitliches Bild transportiert werden. Hiermit kann auch das europäische Konzept von Youth Work in Deutschland Einzug halten und die hierzulande geführten Debatten über europäische Jugendpolitik bereichern.
Die Verantwortung für den Umsetzungsprozess der European Youth Work Agenda liegt, im Sinne des Subsidiaritätsprinzips, sowohl beim BMFSFJ als auch bei den Ländern, Kommunen und den freien Trägern. Als Gestalter der Jugendpolitik der Bundesregierung trägt das BMFSFJ in enger Kooperation mit den anderen Bundesministerien die Verantwortung für die Einbettung der European Youth Work Agenda in die Jugendstrategie der Bundesregierung. Die European Youth Work Agenda stellt einen wesentlichen Bestandteil der EU-Jugendstrategie dar und sollte diese Position auch in der Jugendstrategie der Bundesregierung einnehmen. Neben der Bundesebene sind auch die Länder sowie die Kommunen gefragt, Verantwortung für die Umsetzung der European Youth Work Agenda zu übernehmen und diese als Anstoß zur regionalen und kommunalen Weiterentwicklung von Youth Work zu nehmen. Auch auf regionaler und kommunaler Ebene ist es notwendig, konkrete Umsetzungsprozesse anzustoßen und die Rolle der European Youth Work Agenda lokal spezifisch zu definieren.
Neben den staatlichen kommt auch den nichtstaatlichen Akteuren von Youth Work Gestaltungsverantwortung zu. Angesprochen sind hier u. a. die Jugendverbände und die Jugendringe, Organisationen der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und der Jugendbildung, freie Träger, weitere zivilgesellschaftliche Akteure sowie Wissenschaft und Forschung. Sie sind dazu aufgefordert, sich aktiv und konstruktiv an der Youth Work Debatte zu beteiligen und die European Youth Work Agenda als Unterstützung zur Stärkung des Feldes anzunehmen. Es geht dabei sowohl um die aktive Gestaltung von Youth Work als auch um die Offenheit gegenüber europäischen Impulsen für die eigene Arbeit. Auch wenn es in Deutschland eine lange Tradition der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit gibt, können europäische Impulse einen Beitrag zur Diversifizierung, Zusammenarbeit und qualifizierten Weiterentwicklung des Feldes leisten.
Umsetzungsprozesse der European Youth Work Agenda sind auf eine ausreichende Finanzierung angewiesen. Diese muss flächendeckend, auskömmlich und strukturell abgesichert sein, damit Quantität und Qualität von Youth Work nicht von der Kassenlage der jeweiligen Kommune abhängig sind und die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse erreicht werden kann. Auf den deutschen Kontext bezogen, inkludiert dies die Stärkung einer strukturellen Förderung – im Gegensatz zu der oft vorhandenen Projektförderung – von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit auf allen administrativen Ebenen. Wesentlich gehört hierzu die Erhöhung des Kinder- und Jugendplans des Bundes sowie der entsprechenden Förderpläne auf Länderebene in allen Handlungsfeldern.
Diskurse, Debatten und Austausch brauchen Räume des Begegnens. Daher ist es von Bedeutung, den Youth Work Diskurs auf deutscher Ebene in Fachveranstaltungen einzubringen und im Kontext mit den deutschen Debatten zu diskutieren. Hierfür eignen sich insbesondere der dritte Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit im September 2020 in Nürnberg sowie der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag im Mai 2021in Essen. Abgesehen von diesen Großveranstaltungen kann das Konzept von Youth Work auch auf kleineren, lokalen Tagungen und Kongressen einbezogen und als wichtiger Bestandteil der Debatte um Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit verstanden werden.

5.2 Inhaltliche Weiterentwicklung von Youth Work in Deutschland

Die AGJ hat den Anspruch an die European Youth Work Agenda und die nachfolgenden Prozesse, dass neben der Entwicklung der Rahmenbedingungen und Strukturen auch eine inhaltliche Weiterentwicklung stattfindet. Als Ausgangspunkt wäre eine gemeinsame Standortbestimmung zur Situation und den Herausforderungen von Youth Work in Deutschland hilfreich und notwendig. Diese inkludiert die verschiedenen Angebote, die Vielfalt der Handlungsfelder und die inhaltliche Ausrichtung der jeweiligen Youth Work Angebote. Die Bestandsaufnahme kann zum Anlass genommen werden, Youth Work in Deutschland strategisch aufzubauen und gezielte Weiterentwicklung zu ermöglichen, ohne dabei das Subsidiaritäts- und Trägerprinzip sowie das Gebot der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zu verletzen. Vorbehaltlich der Erkenntnisse einer solchen gemeinsamen Standort-bestimmung sieht die AGJ zurzeit unter anderem folgende Themen als relevant an:
Das Thema Aus-, Fort- und Weiterbildung von im Bereich Youth Work Tätigen nimmt im europäischen Kontext großen Raum ein. Im nationalen Kontext hingegen konzentriert sich die Debatte um Qualifizierung und Fachkräftebedarf vornehmlich auf andere Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere auf den Bereich der Kindertagesbetreuung und der Sozialen Arbeit. Hier sollte im Rahmen eines nationalen Prozesses ein öffentlicher Diskurs starkgemacht werden, der die europäische Debatte aufgreift, Kompetenzprofile aufstellt und Curricula an Universitäten und in Weiterbildungen weiterentwickelt. Youth Work als Konzept sollte hierbei Bestandteil veränderter Curricula sein. Im Kontext von Professionalisierung und einer Aufwertung des Arbeitsfeldes sind hier ebenfalls die Bereiche Forschung und Lehre einbegriffen, wie auch die Anerkennung ehrenamtlich Tätiger.
Ein weiteres Thema ist die Verankerung von Youth Work in ländlichen Räumen.15 Eine an die jeweiligen Räume angepasste Entwicklung von Youth Work ist dabei ebenso erforderlich wie die Einbeziehung von Youth Work in die Regionalentwicklung.
Um Youth Work in den nationalen Diskurs einzubetten, ist auch eine Europäisierung und Internationalisierung der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit notwendig. Internationale und europäische Angebote von Youth Work müssen stärker als bislang zu einem Bestandteil der kommunalen und lokalen Jugendhilfe werden. Hierfür ist es notwendig, dass sich Kommunen und lokale Träger stärker ihrer Verantwortung und Gestaltungsfähigkeit bewusst werden, jungen Menschen europäische Erfahrungen zu ermöglichen.16 Über europäische Fachkräftebegegnungen können Erfahrungen aus anderen Youth Work Modellen in den deutschen Kontext einfließen.
Youth Work zählt zum Bereich der non-formalen und informellen Bildung. Wenn über die Stärkung und Weiterentwicklung des Youth Work Feldes diskutiert wird, ist somit immer auch die Debatte um Bildung angerissen. Youth Work kann in seiner Funktion als freiwilliger, an den Interessen junger Menschen orientierter und deren Selbständigkeit befähigender Bestandteil des Bildungssystems eine Debatte über die Rolle von Youth Work und non-formaler und informeller Bildung im Gesamtgefüge von Bildung initiieren. Hier gilt es, sich über die Aufgabe und den Auftrag von Youth Work zu verständigen und deren Rolle bei der Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen zu diskutieren. Außerdem ist dies eine Möglichkeit, die Anerkennung non-formaler und informeller Bildung zu fördern und deren gesellschaftliche Bedeutung hervorzuheben.

5.3 Rolle der AGJ für die Weiterentwicklung von Youth Work

Die AGJ als Forum und Netzwerk der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland möchte sich in den Prozess der Weiterentwicklung von Youth Work weiterhin einbringen und ihre Rolle nutzen, um europäische Impulse in die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe hineinzutragen und dem Arbeitsfeld Youth Work zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen. Aktuelle Entwicklungen und Debatten auf europäischer Ebene können über die AGJ aufgenommen und in den nationalen Fachdiskurs eingespeist werden. Als Interessensvertretung der deutschen Kinder- und Jugendhilfe möchte die AGJ ebenso die Stimme der deutschen Kinder- und Jugendhilfe im europäischen Diskurs starkmachen und die weiteren Entwicklungs- und Umsetzungs-prozesse der European Youth Work Agenda kontinuierlich begleiten.  
Als Schnittstelle zwischen Politik und Kinder- und Jugendhilfe sieht die AGJ es darüber hinaus als ihre Aufgabe an, gegenüber der Politik für eine Förderung und Stärkung von Youth Work einzutreten. Die AGJ hat bereits darauf hingewiesen, dass Youth Work in Deutschland unter finanziellem und zunehmend auch unter politischem Druck steht.17
Die AGJ wird sich auch in Zukunft für das Handlungsfeld stark machen. Mit dieser Stellungnahme bringt sie die Perspektive der deutschen Kinder- und Jugendhilfe in den Entstehungsprozess der European Youth Work Agenda ein. Die weiteren Prozesse zur Vorbereitung und während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft werden im AGJ-Fachausschuss „Kinder- und Jugend(hilfe)politik in Europa“ intensiv verfolgt und aktuelle Entwicklungen in die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe hineingetragen. Im Rahmen des AGJ-Fachausschusses „Jugend, Bildung, Jugendpolitik“ beschäftigt sich die AGJ im Jahr 2020 außerdem intensiv mit Jugendsozialarbeit sowie im Rahmen einer Veranstaltung auf dem Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit mit dem Thema „Inklusion in der Kinder- und Jugendarbeit“. Im Jahr 2021 wird sich die AGJ auf dem 17. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag weiterhin dem Thema Youth Work widmen.

6. Zusammenfassung der Erwartungen und Forderungen

Um zu einer gelingenden Weiterentwicklung von Youth Work auf europäischer Ebene und in Deutschland beitragen zu können, muss die European Youth Work Agenda nach Ansicht der AGJ zusammenfassend den folgenden Erwartungen gerecht werden. Grundsätzlich gilt hierbei, dass in allen Phasen der Entstehung und Umsetzung der Agenda auf europäischer Ebene sowie in Deutschland alle relevanten Akteure, inklusive junger Menschen, einzubeziehen und deren Perspektiven zu berücksichtigen sind:

Die AGJ erwartet von der European Youth Work Agenda, dass:

  • in allen Phasen der Entstehung und Umsetzung der European Youth Work Agenda eine enge und kooperative Zusammenarbeit zwischen dem Europarat und der EU stattfindet.
  • ein strategischer Rahmen für die Weiterentwicklung von qualitativ hochwertiger Youth Work in Europa entwickelt wird, der eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes Youth Work ermöglicht.
  • die Strukturen und Ressourcen für Youth Work gestärkt und eine ausreichende Förderung sowie ein verlässlicher finanzieller Rahmen sichergestellt werden.
  • die Sichtbarkeit und Anerkennung von Youth Work erhöht und mit geeigneten Maßnahmen gefördert werden.
  • die Möglichkeiten zum Praxisaustausch auf allen Ebenen verbessert und langfristig angelegte Austausch-Plattformen implementiert werden.
  • die Qualifizierungsangebote für im Bereich Youth Work Tätige gestärkt und erweitert werden.
  • Youth Work Policy als eigenständiger und zentraler Bestandteil von Jugendpolitik anerkannt und in die Jugendstrategien der jeweiligen Mitgliedsstaaten eingebettet wird.
  • Youth Work Forschung und Theorie gefördert und als eigenständiges Forschungsfeld im Kontext von Jugend(hilfe)forschung implementiert werden.

Die AGJ erwartet von dem europäischen Prozess, dass:

  • die Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, der European Youth Work Agenda konkrete Handlungen folgen zu lassen und sie als integralen Bestandteil der EU-Jugendstrategie zu verstehen.
  • neue und nachhaltige Umsetzungsstrukturen der Agenda auf europäischer Ebene implementiert werden.
  • geeignete Beteiligungsinstrumente entwickelt werden, die den Einbezug der Perspektiven aller relevanten Akteure ermöglichen.
  • ein arbeitsfeldübergreifender Diskurs über den Wert und die Anerkennung von Youth Work auf europäischer Ebene angestoßen wird.

Die AGJ erwartet von dem Umsetzungsprozess in Deutschland, dass:

  • Youth Work konsequent in den deutschen jugendpolitischen Kontext einbezogen und die European Youth Work Agenda in die Jugendstrategie der Bundesregierung eingebettet wird.
  • der europäische Diskurs zu Youth Work in den deutschen Diskurs einfließt.
  • auf regionaler und kommunaler Ebene konkrete Umsetzungsprozesse angestoßen und die Rolle der Agenda in den jeweiligen Kommunen definiert werden.
  • die Youth Work Akteure in Deutschland sich ihrer Gestaltungsverantwortung bewusst werden und sich aktiv und konstruktiv an der Youth Work Debatte beteiligen.
  • eine flächendeckende, auskömmliche und strukturell abgesicherte Finanzierung von Youth Work erfolgt.
  • internationale und nationale Veranstaltungen zur Weiterentwicklung von Youth Work genutzt werden.
  • eine Standortbestimmung der Situation und Herausforderungen von Youth Work in Deutschland durchgeführt und als Ausgangspunkt für eine strategische Weiterentwicklung von Youth Work genutzt wird.
  • eine Debatte über die Qualifizierung von im Bereich Youth Work Tätigen geführt und der Bereich weiterentwickelt wird.
  • Youth Work in ländlichen Räumen gezielt gefördert und in die Regionalentwicklung einbezogen wird.
  • sich über die Rolle von Youth Work im Kontext von Bildung und weiteren gesellschaft-lichen Herausforderungen verständigt wird.


Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ
Berlin, 05./06. März 2020

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1 Ansprechperson für dieses Positionspapier in der AGJ ist die zuständige Referentin des Arbeitsfelds II „Kinder- und Jugend(hilfe)politik in Europa“: Annika Dahrendorf (annika.dahrendorf@agj.de).
2 Im Folgenden Mitgliedsstaaten.
3 Im Folgenden Jugendarbeit.
4 AGJ (2018): Europäische Jugendpolitik in einem sozialen Europa; AGJ (2019): Umsetzung europäischer Jugendpolitik in Deutschland ab 2019 – Nach vorne schauen und Weiterentwicklung fördern! AGJ-Positionspapier; AGJ (2015): Die europäischen Dimensionen in der Kinder- und Jugendhilfe – Relevanz und Potential europäischer Politik für die Kinder- und Jugendhilfe. AGJ-Diskussionspapier.
5 Diese europäischen Veranstaltungen stellen mit jeweils ca. 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die bisher größten Diskussionsforen zur Weiterentwicklung von Youth Work auf europäischer Ebene dar. Als Ergebnis der Diskussionen beschlossen beide Conventions jeweils eine Deklaration.
6 Rat der Europäischen Union (2018): Entschließung über die Jugendstrategie der Europäischen Union 2019-2027.
7 Council of Europe (2017): Recommendation of the Committee of Ministers to member States on youth work and explanatory memorandum. Adopted by the Committee of Ministers on 31 May 2017 at the 1287th meeting of the Ministers' Deputies. CM/Rec(2017)4.
8 Council of Europe (2020):  Resolution on the Council of Europe youth sector strategy 2030. Adopted by the Committee of Ministers on 22 January 2020 at the 1365th meeting of the Ministers’ Deputies. CM/Res(2020)2.
9 Siehe: Hofmann-van de Poll/ Pelzer/ Riedle (i.E.): The European Discussion on Youth Work 2015-2020; Williamson (2019): Cornerstone Challenges for European Youth Work and Youth Work in Europe. Making the Connections and Bridging the Gaps. Some preparatory thoughts for planning the 3rd European Youth Work Convention and implementing the European Youth Work Agenda.
10 Thimmel (i.E.): Jugendbildungsarbeit in Europa. In: Bollweg/ Buchna/ Coelen/ Otto (Hrsg.): Handbuch Ganztagsbildung. Springer Fachmedien Wiesbaden. S. 1219 -1232.
11 Council of Europe (2017): Recommendation of the Committee of Ministers to member States on youth work and explanatory memorandum. Adopted by the Committee of Ministers on 31 May 2017 at the 1287th meeting of the Ministers' Deputies. CM/Rec(2017)4.
12 Ohana (2019): What’s politics got to do with it? European youth work programmes and the development of critical youth citizenship.
13 European Youth Work Convention (2010): Declaration of the 1st European Youth Work Convention.
14 O´Donovan/ Cairns/ Sousa/ Valcheva (2018): Mapping the educational and career paths of youth workers. Report. Herausgeber: Youth Partnership.
15 AGJ (2019): „Anders als Ihr denkt!“ Ländliche Räume als Gestaltungsaufgabe für die Sozialen Dienste und erzieherischen Hilfen. AGJ-Positionspapier.
16 AGJ (2019): Politisch und engagiert: Für eine Stärkung der europäischen Idee in der lokalen Kinder- und Jugendarbeit. AGJ-Empfehlungen.
17 AGJ (2017): Politische Bildung junger Menschen – ein zentraler Auftrag für die Jugendarbeit. AGJ-Positionspapier.

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