Deutscher Kinder- und Jugendhilfepreis 2026 in Berlin verliehen

Herausragendes Engagement für junge Menschen durch hessische Sozialstaatssekretärin Manuela Strube im Namen der Bundesländer gewürdigt und durch die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ ausgezeichnet

Am 1. Oktober 2026 wurde in Berlin der Deutsche Kinder- und Jugendhilfepreis 2026 – Hermine-Albers-Preis – verliehen. Sozialstaatssekretärin Manuela Strube sprach bei der Preisverleihung im Namen des Stifters, den Obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder, für das Vorsitzland der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) Hessen. Gemeinsam mit der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ Dr. Gabriele Weitzmann, und der Juryvorsitzenden Prof. Dr. Nadia Kutscher übergab sie anschließend die Auszeichnungen in den Kategorien Praxis, Theorie und Wissenschaft sowie Medien. Ermittelt wurden die diesjährigen Preisträger*innen von einer elfköpfigen Jury aus insgesamt 259 eingereichten Bewerbungen.

In allen drei Kategorien des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises wurde jeweils ein Preis und eine Anerkennung vergeben.

Den Praxispreis, der 2026 unter dem Thema „Demokratiebildung und -förderung in der Kinder- und Jugendhilfe“ stand, erhielten der Kreisjugendring Nürnberg-Stadt/DoKuPäd – Pädagogik rund um das Dokumentationszentrum und das Medienzentrum Parabol e. V. in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Nürnberg, dem Beteiligungsmodell laut! und dem IPSN – Institut für Pädagogik und Schulpsychologie für das Praxisangebot „Lernort Rathaus“. Eine Anerkennung ging an den Medienzirkus e. V. in Kooperation mit der Jugendpresse Sachsen e. V., metro polis e. V. und JFF für „Tram Talk“.

Den Medienpreis erhielten Larissa Sobral und Daniel Kähler (Radio Bremen) für den Podcast „Ich pflege meine Mama seit ich 13 bin: Young Carer“. Eine Anerkennung erhielt Marius Elfering für seinen Hörfunkbeitrag „Erziehung und Strafe – Jugendkriminalität in Deutschland“.

Mit dem Theorie- und Wissenschaftspreis wurde Dr. Anna Hamer (Universität Frankfurt) für ihre Dissertation „Erziehung – Gewalt – Identität. Erzählungen ehemaliger Adressat*innen über Intensivpädagogische Maßnahmen“ ausgezeichnet. Eine Anerkennung erhielt Dr. Rudolph Meyer (Universität Wuppertal) für seine Streetwork-Ethnographie „Im Käfig – Straßenfußball und Straßenkindheit in einem marginalisierten Quartier“.

In ihrer Rede würdigte Staatssekretärin Strube die Bedeutung des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises für die Länder und ging dabei auf die Namensgeberin des Preises Dr. Hermine Albers ein. Ihr Wirken erinnere daran, woran sich Handeln messen lassen müsse: an den Lebensbedingungen junger Menschen und an der Hilfe, die tatsächlich bei ihnen ankomme. 

„Um sich für Kinder und Jugendliche erfolgreich einzusetzen, braucht es auch heute fachliches Können, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen. Deshalb ist dieser Preis für uns als Länder so bedeutsam. Er macht Arbeit sichtbar, von der andere lernen können. Er schafft Aufmerksamkeit für Erfahrungen, die über den einzelnen Ort hinaus wichtig sind. Und er gibt Menschen Rückhalt, die neue Wege erproben“, sagte Staatssekretärin Strube auf der Preisverleihung. 

Die Vorsitzende der AGJ, Dr. Gabriele Weitzmann, ergänzte: „Die heute hier ausgezeichneten Beiträge machen Mut und zeigen, dass die Kinder- und Jugendhilfe durch ihr Zusammenwirken einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Demokratie und zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen leisten  kann.“ 

PREISTRÄGER*INNEN DES DEUTSCHEN KINDER- UND JUGENDHILFEPREISES – HERMINE-ALBERS-PREIS 2026

PRAXISPREIS 2026
Kreisjugendring Nürnberg-Stadt/DoKuPäd – Pädagogik rund um das Dokumentationszentrum und das Medienzentrum Parabol e. V. in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Nürnberg, dem Beteiligungsmodell laut! und dem IPSN – Institut für Pädagogik und Schulpsychologie für das Praxisangebot „Lernort Rathaus“

Im Nürnberger Rathaus lernen Jugendliche praxisnah Kommunalpolitik und demokratische Prozesse näher kennen. Sie entwickeln eigene Projektideen für ihre Stadt und stimmen im Ratssaal demokratisch darüber ab, welche Idee umgesetzt werden soll. 

Begründung der Jury: Das Praxisangebot ist professionell konzipiert, fachlich fundiert und eng in bestehende kommunale Beteiligungsstrukturen eingebettet, wodurch ein großer Wirkungskreis in der Stadt Nürnberg entsteht. Es eröffnet Jugendlichen einen unmittelbaren Zugang zu einem politischen Ort, der ihnen häufig fern oder schwer zugänglich erscheint: dem Rathaus. Junge Menschen lernen das Rathaus kennen und setzen sich praxisnah damit auseinander, wie Demokratie vor Ort und auf kommunalpolitischer Ebene funktioniert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der eigenen Mitgestaltung. Das Praxisangebot setzt neue Impulse für die Kinder- und Jugendhilfe im Bereich Demokratiebildung und Demokratieförderung.

Die Laudatio hielt: Susann Rüthrich - Kinder- und Jugendbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung

Weitere Informationen zum “Lernort Rathaus” sind zu finden unter: www.dokupaed.de

ANERKENNUNG PRAXISPREIS 2026
Medienzirkus e. V. in Kooperation mit der Jugendpresse Sachsen e. V., metro polis e. V. und JFF für das Praxisangebot „Tram Talk“

Jugendliche entwickelten eigene Fragen und führten Interviews mit Mitfahrenden in der Leipziger Straßenbahn. Sie bearbeiteten ihr Audio- und Fotomaterial und veröffentlichten ihre Ergebnisse auf Social Media.
 

Begründung der Jury: Das Praxisangebot aus Leipzig verbindet aufsuchende Demokratiearbeit mit kreativer Medienbildung. Jugendliche entwickeln eigene Fragen, führen Interviews mit Mitfahrenden in der Straßenbahn und gestalten aus Audio- und Fotomaterial eigene Social-Media-Beiträge. So erleben sie Demokratie unmittelbar: Sie setzen eigene Themen, kommen mit unterschiedlichen Menschen ins Gespräch und erfahren, dass ihre Perspektiven gesellschaftliche Relevanz haben. Das stärkt die Selbstwirksamkeit und vermittelt Freude am gesellschaftlichen Dialog. Das Praxisangebot ist 2025 abgeschlossen worden. Eine Neuauflage wird angestrebt.

Die Laudatio hielt Sebastian Bock – stellv. Geschäftsführer des Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten

Weitere Informationen finden Sie unter: https://labs4future.de/buendnis/tram-talk

THEORIE- UND WISSENSCHAFTSPREIS 2026
Dr. Anna Hamer, Universität Frankfurt, wird für ihre Dissertation „Erziehung – Gewalt – Identität. Erzählungen ehemaliger Adressat*innen über Intensivpädagogische Maßnahmen“
 

Dr. Hamer untersucht, wie junge Menschen ihre Erfahrungen mit Gewalt in intensivpädagogischen Auslandsmaßnahmen rückblickend erzählen und in ihre eigene Biografie einordnen. Im Mittelpunkt stehen sechs eindrückliche Erzählungen über das ambivalente Verhältnis von Erziehung und Gewalt sowie die Zuschreibung, „besonders schwierig“ gewesen zu sein.

Begründung der Jury: Die Dissertation macht deutlich: Erlebtes, Erlittenes und Bewältigtes wirken fort, prägen die Deutung der Gegenwart und beeinflussen Zukunftsvorstellungen. Die Dissertation gibt der Theorie der Kinder- und Jugendhilfe neue Impulse zum Verhältnis von Erziehung und Gewalt. Zugleich setzt die Arbeit wichtige Impulse für eine biografie- und sozialisationssensible Praxis und Forschung und leistet einen Beitrag zur Forschung über Adressaten*innen in kritisch diskutierten Hilfemaßnahmen.

Die Laudatio hielt Christine Lohn - Geschäftsführung Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit

Open Access: www.pedocs.de/volltexte/2026/35320/pdf/Hamer_2026_Erziehung_Gewalt_Identitaet_Erzaehlungen.pdf

ANERKENNUNG THEORIE- UND WISSENSCHAFTSPREIS 2026
Dr. Rudolph Meyer, Universität Wuppertal, wird für seine Streetwork-Ethnographie „Im Käfig – Straßenfußball und Straßenkindheit in einem marginalisierten Quartier“

Dr. Meyer untersucht aus Perspektive der Aufsuchenden Kinder- und Jugendarbeit mit dem Fokus Straßenfußball die Lebensphase Kindheit in einem marginalisierten Quartier in einer westdeutschen Metrolpolregion. Er beschreibt Straßenfußball als ambivalente Praxis, die einerseits Gemeinschaft, Kreativität und Selbstbestimmung ermöglicht. Andererseits ist sie aber auch von Ausschlüssen, männlichkeitsbezogenen Dominanzmustern und Ungleichheiten geprägt. 

Begründung der Jury: Die Untersuchung von Dr. Rudolph Meyer wird den komplexen Lebenswelten des Straßenfußballs gerecht. Der Autor plädiert für eine kontextsensible und reflexive Begleitung, die Teilhabe stärkt, marginalisierte Gruppen unterstützt und unterschiedliche Geschlechtsidentitäten anerkennt. Die Arbeit erweitert den Blick auf sportpädagogische Kindheits- und Jugendforschung und liefert Impulse für die Gestaltung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Die Laudatio hielt Christine Lohn - Geschäftsführung Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit

Weitere Infos zur Ethnografie: link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-48257-2

MEDIENPREIS 2026
Larissa Sobral und Daniel Kähler für den Podcast „Ich pflege meine Mama seit ich 13 bin: Young Carer“, der in der ARD Audiothek/Cosmo Radio im Mai 2025 erstveröffentlicht wurde.
 

Im Podcast treffen die beiden Journalist*innen die zwei jungen Frauen Laura und Eva. Sie sind Young Carer, das heißt: Sie pflegen ihre eigenen Eltern seit einigen Jahren – und haben damit schon begonnen bevor sie überhaupt richtig erwachsen waren.

Begründung der Jury: Die Reportage taucht mit viel Empathie und Respekt in die Lebenswelten von Laura und Eva ein. Sie verbindet journalistische Qualität, klare Haltung und gesellschaftliche Relevanz: Sie wirft ein Wahrnehmungsdefizit auf, denn die Lebensrealität junger pflegender Angehöriger bleibt in Deutschland politisch und im Hilfesystem der Kinder- und Jugendhilfe unterbelichtet. Die Jury möchte mit der Auszeichnung ein jugendpolitisches Zeichen dafür setzen Young Carers mit ihren Bedürfnissen und Forderungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Die Laudatio hielt Rolf Westermann - Journalist

Zum Podcast: www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:acec5a744e1a7330/

ANERKENNUNG MEDIENPREIS 2026
Marius Elfering wird für seinen Hörfunk-Beitrag „Erziehung und Strafe – Jugendkriminalität in Deutschland“, der in Langen Nacht „Erziehung und Strafe“ im Deutschlandfunk im Februar 2024 das erste Mal gebracht wurde
 

Der Beitrag setzt sich mit den Möglichkeiten des Jugendstrafrechts und des Jugendgerichtsgesetzes auseinander, das als Hauptzweck den Erziehungsgedanken hat. Der Journalist lässt jugendliche Straftäter*innen, Justiz, Wissenschaft und Praxis zu Wort kommen.

Begründung der Jury: Die Sendung nimmt sich Zeit auf das Thema Jugendkriminalität in Deutschland zu blicken. Sie stellt unterschiedliche Lebenswege vor, gibt jungen Menschen eine öffentliche Stimme und verzichtet auf einfache Ursache-Wirkungs-Erklärungen. Statt vorschnell für härtere Strafen zu plädieren, trägt der überzeugende journalistische Beitrag zur Versachlichung der Debatte bei.  

Die Laudatio hielt Peter Wensierski - SPIEGEL Buchautor

Zum Hörfunk-Beitrag: www.deutschlandfunkkultur.de/erziehung-und-strafe-lange-nacht-ueber-jugendkriminalitaet-in-deutschland-dlf-kultur-7ea305a4-100.html

Herzlichen Dank an die Jury zur Vergabe des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises 2026!

Die AGJ dankt der Jury ganz herzlich für ihre hervorragende Arbeit und ihr besonderes Engagement, ohne Sie wäre der Deutsche Kinder- und Jugendhilfepreis – Hermine-Albers-Preis – nicht möglich. Mit großem zeitlichem und ideellem Engagement ist es ihr wieder gelungen, aus einer Fülle von hervorragenden Bewerbungen eine herausragende Auswahl zu treffen. 

Im einzelnen danken wir ganz herzlich der Juryvorsitzenden Prof. Dr. Nadia Kutscher (Universität zu Köln) und dem stellvertretenden Juryvorsitzenden Dr. Christian Lüders (Bayerischer Landesjugendhilfeausschuss), und den Jurymitgliedern: Sebastian Bock (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten), Kathrin Demmler (ehemals JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, jetzt: Glockenbachwerkstatt), Winfried Hebold-Heitz (SJD - Die Falken), Christine Lohn (BundesarbeitsgemeinschaftEvangelische Jugendsozialarbeit e. V.),  Prof. Dr. Johanna Mierendorff (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) , Susann Rüthrich (Sächsisches Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt), Peter Wensierski (SPIEGEL-Buchautor) und Rolf Westermann (Journalist). 

Sie alle haben eine großartige Arbeit geleistet!

Dank an den Stifter des Preises

Die AGJ dankt dem Stifter des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises - Hermine-Albers-Preis -, den Obersten Jugend- und Familienbehörden der Länder, ganz herzlich für die kontinuierliche Förderung und die Unterstützung.

Die nächste Ausschreibung des Deutschen Kinder- und Jugendhilfepreises – Hermine-Albers-Preis – erfolgt im Frühjahr 2027.

Gefördert vom:
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Im Rahmen des:
KJP - Kinder- und Jugendplan des Bundes. Stärken, was die Zukunft trägt.

Wir verwenden Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige sind notwendig, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern.